Hundelobby Dresden übergibt offenen Brief an Oberbürgermeister und Umweltamt der Stadt Dresden
Der Verein Hundelobby Dresden hat am 14.04.2008 einen offenen Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Dresden übergeben.
Weitere Empfänger dieses Briefes werden sein:
- Umweltamt Dresden
- Stadträte der Stadt Dresden
- Sächsische Zeitung
- Dresdner Neueste Nachrichten
Im Folgenden der Wortlaut des offenen Briefes.
[quote]Verein Hundelobby Dresden
http://hundelobby-dresden.de Tel. 0351 7997779
14.04.2008
Sehr geehrter Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren Stadträte
und andere Amtsinhaber.
Mit der Festlegung des Leinenzwangs für die gesamte Dresdner Heide und der nachfolgenden Ausweisung von Freilaufzonen im stadtnahen Waldrandbereich, gleichbedeutend dem Aktionsradius der vielen kurzzeitig Erholungssuchenden sowie der sich in diesem Gebiet befindenden Kindereinrichtungen und Altenpflegestätten, werden die in der vom Umweltamt und dem Forstamt in Auftrag gegebenen Befragung angeführten Konfliktvermutungen tatsächlich erst Realität.
Da diese Befragung in einem stadtnahen Gebiet bezüglich ebendieses stadtnahen Gebietes durchgeführt wurde (Konzertplatz Weißer Hirsch, wenige 100 Meter ab Bebauungsgrenze), sind die Ergebnisse unabhängig von ihrem geringen Wert im Hinblick auf grundlegende Eigenschaften einer Erhebung entsprechend polarisiert ausgefallen. Diese Erhebung über den Erholungswert und das Konfliktpotential von nicht mehr als 9 ha wurde jedoch mehrfach als Messlatte auf die gesamte Heide übertragen (6.500 ha).
Durch die Schaffung eines, wenn auch teils unterbrochenen Freilauf-Gürtels am Rande der Heide konzentriert man die Hundehalter in genau dem selben Gebiet, in dem sich zahlenstärker als im Waldesinneren Anwohner und andere erholungssuchende Bürger aufhalten.
Anstatt die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung mit Hundehaltern und ihren freilaufenden Hunden zu verringern, wird sie drastisch erhöht.
Eine vernünftige Lösung und eine dauerhafte Entspannung zwischen den Konfliktparteien ist damit nicht annähernd in Sichtweite, im Gegenteil. Dies ist bestenfalls als ein Schildbürgerstreich zu betrachten.
Angesichts der sich häufenden Vorfälle, bei denen selbsternannte Rechthaber wie Jagdpächter und andere Hitzköpfe, denen die rechtliche Lage offenbar nicht gegenwärtig ist, ist eine rasant verschärfte Situation in greifbarer Nähe. Die RVO scheint ihre offensichtliche Feindlichkeit gegenüber Hundehaltern nun zu legitimieren.
Der kürzliche Todesfall eines Hundes, der im Beisein seines Besitzers angeschossen wurde und kurze Zeit darauf verstarb, stellt um Gottes Willen bitte keine Tendenz dar, lässt aber eine Gesinnung der Jagdscheininhaber unschwer erkennen. Derer sind es etwa 10500 in Sachsen.
Der Verein Hundelobby Dresden äußert hiermit wiederholt folgende Forderung nach einer vernünftigen Lösung und fordert damit außerdem die Validierung der von Herrn Altmeier, Herrn Korndörfer und Herrn Schmidt (Umweltamt) sowie von Herrn Marsch (Forstamt) in aller Öffentlichkeit versprochenen Kooperation:
- Aufhebung des generellen Leinenzwangs für die Dresdner Heide und Wiedereinsetzung in den vorherigen Status vor dem Beschluß am 5. Dezember 2007 bzw. vor dem Beginn der Ausarbeitung der RVO seit Anfang 2006
- (#1) Gemeinsame realitätsnahe Ausweisung und Kennzeichnung von tatsächlich konfliktbehafteten und nachvollziehbar schutzbedürftigen Bereichen bei Waldkindergärten oder Pflegeeinrichtungen in Anbetracht derer Aktionsradien sowie anderer stadtnaher Bereiche mit erhöhtem Besucheraufkommen wie etwa Sportanlagen oder Kultureinrichtungen.
- (#2) Ausweisung von Flächen, die im Sinne der geltenden Natur- und Tierschutzbestimmungen wie FFH- / Vogelschutz- und Biotopschutzgebieten ein erhöhtes Schutzbedürfnis haben sowie den seitens des Forstamtes wiederholt erwähnten Gebieten von erhöhtem Rotwildvorkommen.
- Es könnte im Sinne einer freundlichen Annäherung der Standpunkte von Hundehaltern und Hundegegnern in den unter (#1) genannten Bereichen ein Gebot zur Verwendung einer Hundleine geben. In den unter (#2) genannten Bereichen könnte sogar ein Verbot von Hunden außerhalb von Wegen und ein Anleingebot entlang diese Gebiete querender Wege geben.
Daß es ein Tierschutzbedürfnis in Sachsen gibt, ist anhand des folgenden Zitates von http://jagd1.de (Sachsenforst, „Markt für Jagd und Jagdgelegenheiten“) jedoch nicht erkennbar:
"Rund 63.000 Stück Schalenwild haben die Jäger in ganz Sachsen im Jagdjahr 2005/2006 zur Strecke gebracht. Davon 4.300 Stück Rotwild, 450 Stück Damwild, 770 Stück Muffelwild, 34.900 Stück Rehwild sowie 29.400 Stück Schwarzwild."
Unsere Frage dazu lautet: Wie viel Stück Rotwild, Damwild, Muffelwild, Rehwild oder Schwarzwild sind durch Hunde zur Strecke gebracht worden ?
Unser Ziel ist eine Umkehrung des bisher unter einer wenig fundierten und wechselnden Argumentation seitens des Umweltamtes ausgearbeiteten Kartenmaterials.
Dabei geht es nicht um einen Widerspruch um des Widerspruchs willen, sondern um einen konstruktiven und nachhaltigen Lösungsansatz, der die tatsächlichen Bedürfnisse der Hundehalter, Nichthundehalter und Naturschützer auch tatsächlich berücksichtigt. Dieses Bestreben ist bisher seitens des Umweltamtes leider nicht zu erkennen.
Das nach den aktuellen Plänen künstlich erhöhte Konfliktpotential wird zwangsläufig zu weiteren Reglementierungen der Hundehalter führen. Dies könnte leicht zu weiteren Fällen von Amtsanmaßungen von Waffenträgern führen, beides ist in keiner Weise akzeptabel. Die Akzeptanz der Hundehalter bei Nichthundehaltern wird dadurch nicht verbessert.
Dies ist jedoch unser Anliegen.
Daher fordern wir alle Stadträte auf, ihr im Dezember 2007 abgegebenes Handzeichen für die Abstimmung der RVO Dresdner Heide zu widerrufen, mindestens jedoch den Paragraph "Verbote". Unterpunkt "insbesondere verboten ist es... Hunde frei laufen zu lassen" für ungültig zu erklären.
Weiterhin fordern wir alle Stadträte auf, ein weiteres Vorantreiben der Umsetzung und Durchführung der RVO in der aktuellen Fassung nicht zuzulassen.
Von der Jagdbehörde fordern wir eine Stellungnahme zu dem Vorfall im Lockwitzgrund, mit Nennung von Namen und Alter der beteiligten Waffenträger, Kopie des Waffenscheins sowie Art und Austellungsdatum der Jagdberechtigungsdokumente.
Darüber hinaus ein sofortiges Stopp der Vergabe von Jagdscheinen jeglicher Art an Jungjäger im Jahre 2008 sowie alle hinzugekommenen nicht hauptberuflichen Jäger / Jagdberechtigten.
Danke für Ihre Vernunft.
Für ein freundliches Miteinander !
Hochachtungsvoll
Michael Gerner
Vorsitzender des Vereins Hundelobby Dresden, 14. April 2008[/quote]
Der Brief befindet sich als PDF-Dokument in Anhang dieses Artikel.
| Anhang | Größe |
|---|---|
| forderungen_umweltausschuss_stadtraete-1.pdf | 25.09 KB |
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Kommentare
[quote=sachsenforst jagd1]„Rund 63.000 Stück Schalenwild haben die Jäger in ganz Sachsen im Jagdjahr
2005/2006 zur Strecke gebracht. Davon 4.300 Stück Rotwild, 450 Stück Damwild, 770
Stück Muffelwild, 34.900 Stück Rehwild sowie 29.400 Stück Schwarzwild.“[/quote]
Sachsen hat demzufolge ungefähr 6.820 Stück zur Strecke gebrachtes negatives Schalenwild zuviel.
Ob nun ca. 63.000 oder ganz genau ein paar mehr, es sind im Schnitt etwas über oder etwas unter 6 Tiere pro Jäger pro Jahr !
Der Sachsenforst hat übrigens schon von jeher Probleme beim Zählen: ca. 1 Million Besucher der Dresdner Heide pro Jahr (Quelle: oben erwähnte ausschlaggebende Erhebung der TU Dresden) sind ungefähr ganz genau das gleiche wie 10 Besucher pro Hektar pro Tag (Quelle: Webseite der smul)
[quote=sachsenforst smul]Der Wald des Forstbezirk Dresden erfüllt zur gleichen Zeit und auf gleicher Fläche ein Vielzahl von Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen. Von größter Bedeutung ist der Bereich Naturschutz. Dabei spielen besonders die Natura-2000-Schutzgebiete (FFH, SPA) eine besondere Rolle. Die Dresdner Heide sowie die Moritzburger Heide haben für die Stadt Dresden und ihr Umland besondere Bedeutung (bis zu 10 Besucher je Tag und ha).[/quote]
Viel Spaß beim Rechnen, kleine Hilfestellung, die Dresdner Heide hat über 6000 ha Fläche und das Jahr hat 365 Tage
[quote=(ADAC 31.08.2006)]...Mehr als 230 000 Wildunfälle werden den Kfz-Versicherungen jedes Jahr gemeldet. Rund 250 000 Stück Reh-, Rot- und Schwarzwild verenden dabei... Quelle: Google, Wildunfälle, Seite 2[/quote] Autofahren ist cool. Aber auch dabei täuschen die Zahlen, Autos sind nicht so gefährlich wie Jäger http://www.jagd-online.de/datenfakten/?meta_id=255